Meer - Karibik - Antigua

Flott unterwegs 

 

Es gibt zwar auch ein paar Flautentage und zweimal müssen wir ausgiebig motoren, um irgendwie in den Wellen voran zu kommen, insgesamt aber geht es echt flott und wir segeln zum Teil Höchstgeschwindigkeiten, im Durchschnitt Etmale von 140 sm (normal für uns 120 sm) und schaffen einen Spitzenwert von 175 sm.

 

Der Start war etwas holprig, weil der Computer vom elektrische Autopilot falsche Kurse angibt und der Autopilot somit nicht die Richtung gedenkt einzuschlagen, die wir wollen. Das kostet Nerven, wir haben ja keine Lust wieder so eine lange Strecke per Hand zu steuern. So muss erst einmal der Windpilot ran, während ich mit der Software vom Autopiloten kämpfe. Schlau werde ich aus den Angaben nicht, aber irgendwann bekomme ich ein Setting hin, mit dem wir Kurs halten können. Computer werde ich nie verstehen…und das ist grundsätzlich etwas, was mir sehr schwer fällt. So kreisen meine Gedanken in den nächsten Tagen immer wieder um irgendwelche Kurseinstellungen und Software-Settings und bald kann ich das Manual („Absolutely useless!!`) mehr oder wenig auswendig. Den eigentlichen Fehler für die angezeigten Kursabweichungen kann ich nicht finden, aber wir entdecken eine Einstellung, bei dem die Steuerung sehr viel sanfter bei den vorherrschenden starken Winden und Wellen reguliert. Wenigstens das!

 

Schön blöd…

 

Des Nächtens - wir haben gerade Wachwechsel – stell ich die Pumpe an, um den Tagestank zu füllen. Ansgar und ich quatschen noch ein bisschen, dann verschwindet der Captain unter Deck und ich stelle mich auf meine Wache unter grandiosem Sternenhimmel (wir haben Neumond!) ein. Schade, dass wir das nicht auf Fotos festhalten können. Es ist wirklich sagenhaft beeindruckend. Nur leider vergesse ich darüber unsere Dieselpumpe. Erst als mir der Dieselgeruch in die Nase steigt….

 

Aber da ist es auch schon zu spät: Der Tagestank ist übervoll und Diesel läuft fröhlich oben raus, über die Tankwände, in den Schrank, hinter die Pumpen, die Kabelführungen entlang und in die Bilge (wo diverse Ersatzkabel verstaut sind). Schön blöd. Die nächsten Stunden vergehen mit Diesel aufwischen.

 

Das Thema Diesel bleibt…

 

Ein paar Nächte später – natürlich passieren solche Sachen immer nachts – sitzt Ansgar an der Dieselpumpe und hält die Tankanzeige scharf im Auge, damit der Tank nicht wieder überläuft. Doch diesmal tut sich irgendwann gar nichts mehr. Die Pumpe pumpt nicht mehr… wir haben noch ca. 400 sm und momentan gerade Flaute! Kein gutes Gefühl. 

Mitten auf dem Ozean, ca. 800 L Diesel an Bord und keinen Sprit, um den Motor laufen zu lassen: grotesk oder?

 

Also gut: Ersatzpumpe rauskramen, alte Pumpe ausbauen, neue Pumpe einbauen und anschließen, das alles auf engstem Raum vorn übergebeugt in der Bilge – Ansgar ist nass geschwitzt und mehr oder weniger Diesel durchtränkt.  Dann 1. Versuch: Die Pumpe brummt, aber läuft auch Diesel in den Tank? Es ist bei den Hintergrundgeräuschen ganz schwer auszumachen. Erst mit Hilfe meines Stethoskops bekommen wir Klarheit: Da läuft nichts!  

Was also tun? Ansgar versucht den Grobfilter (Plastik), der direkt vor der Dieselpumpe sitzt, zu öffnen – vergeblich! Mit dem letzten verbliebenen Verbinder legt Ansgar einen Bypass und umgeht damit den Filter. So läuft´s wieder… Puh! Alles wieder aufräumen und weiter geht´s. 

 

Wir haben Glück und bekommen nur Stunden später den langersehnten Passatwind. Es folgen zwei Tage schönstes Passatwind-Segeln.

 

Noch ein kleiner Umweg

 

Dabei legen wir noch einen kleinen Umweg ein: Ansgar´s Adleraugen nehmen in ca. 2 bis 3 m Entfernung einen orangen Punkt wahr, was es genau ist, ist zu dem Zeitpunkt nicht auszumachen. Als ein zweiter oranger Ball in nicht all zu weiter Distanz zum ersten Objekt auftaucht, werden wir nervös: Ist hier ein Unglück passiert, sind das Teile von einem Liferaft,..? Der Gedanke lässt uns nicht los: Also Motor an, Segel bergen und auf Suche gehen. Nach ca. einer halben bis dreiviertel Stunde haben wir das Objekt wieder im Blick und können uns annähern. Es handelt sich um eine Boje!! Mitten auf dem Ozean - wer hätte damit gerechnet. Vielleicht haben wir endlich den oft herbeigesehnten Parkplatz für Übernachtungen auf dem Atlantik gefunden... :)

Egal, nur gut, dass wir da nicht bei Dunkelheit reingerasselt sind....Das wäre nicht hübsch gewesen. Und wir sind jetzt beruhigt, niemand ist in Seenot, und wir können wieder Segel setzen und auf Kurs gehen. Die letzten 200 sm.

 

Der Ostwind bläst uns flott an Barbuda vorbei bis nach Antigua. Kurz vor Mitternacht am Montag erreichen wir unsere Ankerposition vor Jolly Harbour. Einklariert wird am nächsten Morgen zusammen mit unseren Freunden von der White Pearl. 

 

Zurück im Paradies

 

Endlich wieder Karibik. Als wir am ersten Morgen in Antigua aufwachen und in das türkisblaue Wasser gucken, ist alles gut. Die Landschaft der Insel mit ihrer saftig grünen Vegetation und den zum Teil recht beachtlichen Hügeln wunderschön und das Klima einfach fantastisch….

  

 

Einklarieren in Jolly Harbour

 

Zum Einklarieren muss man mit der Yacht am Customs Dock anlegen. Gleich daneben ist ein kleines Gebäude mit drei Büros: Customs, Immigration, Port Authority – alles nebeneinander. Es geht ratz fatz, sehr nett und freundlich und kostet uns 15 $. Die ganzen weiteren Gebühren, die in English Harbour oder Falmouth Harbour erhoben werden, bleiben uns hier erspart. Dafür gibt es ein öffentliches Dingy Dock, einen guten Supermarkt, Friseur, Bankautomat, Budget Marine (gar nicht mal schlecht sortiert, wenn auch kein Vergleich mit St. Martin), viele kleine Läden und Bars – wir finden es hier herrlich! Und genießen die nächsten Tage in dieser wunderschönen Bucht

 

Ausflug zu Nelson´s Dock Yard

 

Mit dem öffentlichen Bus fahren wir mit unseren Freunden nach Englisch Harbour und besuchen auf dem Weg dorthin zunächst St. Johns. St. Johns ist die Hauptstadt von Antigua (insgesamt 100.000 Einwohner auf der Insel), ziemlich karibisch bunt und geräuschvoll und außer dem öffentlichen Markt (Gemüse, Fisch und Fleisch) finden wir sie nicht so recht angenehm. Nur direkt um die Docks, an denen die großen Kreuzfahrtschiffe anlegen, sieht alles ganz hübsch aus, wenn man jedoch weiter in die Stadt hineingeht, wird´s chaotisch und macht uns im Gegensatz zu beispielsweise St. George´s, Grenada, einen etwas heruntergekommenen Eindruck. 

 

Weiter geht´s mit dem Bus zu Nelsons Dock Yard. English Harbour ist der sicherste Naturhafen der Karibik und Nelsons Dock Yard ist wirklich sehenswert: Man kann die alten Gemäuer, die Kaianlagen und das auf dem Gelände befindliche Museum besuchen, das ziemlich gut über die Geschichte informiert und viele sehenswerte Ausstellungsstücke beherbergt. Die Darstellung der Lebensbedingungen, insbesondere der medizinischen Versorgung zu dieser Zeit lässt uns erschaudern. Die ärztliche Behandlung war nicht gerade hilfreich und ist eher als Folter zu bezeichnen. Das Klima und insbesondere die Gefahr von Infektionen wie Malaria und Dengue-Fieber setzten den Europäern stark zu. Unterm Strich: Wer erst einmal ins Hospital eingeliefert wurde, kam lebend meist nicht mehr raus. Mehr Menschen starben an Infektionen und durch Alkoholkonsum verursachten Verletzungen als in der Schlacht.

 

Alles in allem ist auch Nelsons Dock Yard sehr touristisch aufgezogen. In allen historischen Gebäuden sind Shops, Bars, Restaurants, Souvenierläden und andere Touristenfänger untergebracht. Das ist zwar aus finanzieller Hinsicht verständlich, lenkt aber von der eigentlichen Geschichte dieses historischen Ortes ziemlich ab. 

 

Die gerade stattfindende Charter-Boatshow tut ihr Übriges. Riesige Yachten, viele Katamarane und überdimensionierte Motorschiffe (der Begriff Boot ist hier schon lang nicht mehr passend)  - wir sind völlig platt. Auch in Falmouth Harbour (ohne Boatshow) machen es die Ausmaße der im Hafen festgemachten Yachten locker möglich, im Schatten zu wandeln. Es ist unglaublich. Schön mal zu sehen, aber es ist definitiv nicht unsere Welt. Und auch in den zugegebenermaßen vielen netten Bars und Cafes rund um den Hafen ist es uns viel zu rummelig. Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist hier so dermaßen eklatant, dass wir alle ganz schweigsam die Rückfahrt antreten. 

Am Ende eines sehr schönen, informativen und erlebnisreichen Tages freuen wir uns wieder auf die Ruhe und Weitläufigkeit in unsere Bucht vor Jolly Harbour.