Unser Generator

Generatorlieferung in die USA

Als wir im Frühjahr diesen Jahres unseren Freund Marco aus Tholen fragten, ob wir über ihn einen Generator beziehen und nach USA schicken lassen könnten, hatten wir nicht geahnt, was da auf uns, besser gesagt, auf Marco zukommt. Schon bei der Bestellung der richtigen Teile hat er uns tatkräftig unterstützt. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir noch, dass das Transportunternehmen seinen Job gut und vor allem selbständig durchführen würde und Marco befreit durchatmen kann, wenn er den Generator für uns erst einmal in einer hübschen Kiste verpackt und vom Transporteur abholen lassen hat.

Aber weit gefehlt: Dies war nur der Beginn einen unermesslichen Formularflut, in die letztlich auch Jon von der Fishingbay Marina in  Deltaville einbezogen war. Es ging um Zollnummern, Steuernummern, Geschäftsnummern, Identitätsnummern, Firmennummern, Umweltzertifikatsnummern und und und....

 

Es war einfach nicht zu glauben. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir dies Marco niemals zugemutet. An dieser Stelle an Dich, lieber Marco, ein herzliches Dankeschön, aber auch ein dickes "Entschuldigung" für all das Ungemach!!!

 

Und als der Generator endlich in den USA eingetroffen war, hatte es immer noch kein Ende: Es fehlten dem Zoll die Seriennummer und die Modelnummer. Dass die überhaupt noch irgendwelche Nummernarten gefunden haben, die nicht schon angefragt worden waren, hat uns in großes Erstaunen versetzt.

 

Aber, nachdem Marco auch diese Nummern noch herbeigezaubert hatte, schien es nun doch zu einem guten Ende zu kommen. Am Mittwoch, 6. August, sollte das gute Stück endlich bei uns sein. War es auch, und wir waren überglücklich.

Die halbe Marina auch. Marco hatte nämlich eine so wunderschöne Kiste gebaut, aus Sperrholz in einer Qualität, die es hier einfach nicht gibt. Wir brauchten uns um die Entsorgung der Verpackung jedenfalls nicht zu kümmern. Schnell griff sich jeder, der gerade des Weges kam, ein Stück von dem schönen Holz. Wir konnten gerade noch die Teile beiseite räumen, die wir selbst für den Einbau an Bord nutzen wollten. 

 

Der Generator war schon an Bord und unter dem Cockpit auf seinem extra angefertigten Podest verbaut, da meldete sich der Zoll wieder. Ja, genau! Sie hatten also tatsächlich noch eine weitere Nummer gefunden. Die EPA (enviromental protection agency) fragte nach der "Familiennummer", quasi ein Umwelt-Zulassungsnummer. Nur: Die hat unser Generator nicht. Netterweise wurde uns gleich auch mitgeteilt, dass bei Zuwiderhandlung, also Einfuhr ohne EPA, ein Strafe vom dreifachen Warenwert ins Haus steht. Na sonst noch was :(

 

Wieder ging es etliche Mal hin und her, bis auch der Herr vom Zoll ein Einsehen hatte und bemerkte, dass unser unter deutscher Flagge segelndes "Ship in Transit" so etwas nicht braucht und den Vorgang für abgeschlossen erklärte. Hast Du da noch Worte...Nicht nötig zu erwähnen, dass wir zwischenzeitlich etwas in Panik geraten waren.

 

Ab jetzt konnten wir uns endlich entspannt auf den Einbau konzentrieren. Der ging, wie alles an Bord langsam, aber doch einigermaßen stetig voran. Unter dem Cockpit bei 40 °C zu arbeiten ist schon eine Herausforderung an sich, das Platzangebot tut sein Übriges dazu. Aber alles an dem Generator war eigentlich ganz übersichtlich vorbereitet. Uns ist sogar die elektrische Verknüpfung von Generator und seinem eigenen Inverter gelungen sowie der Anschluss zum Controlpanel und zur Starterbatterie, inklusive Batterieschalter und Sicherungen etc. Schließlich waren wir bei Thomas in der Schule!

 

Was aber machen wir mit dem Anschluss des Generators ins 220 V-Bordnetz???  

Thomas Drossel: Operation am offenen Herzen über WhatsApp

Das Thema Elektroinstallation, also Anschluss ins Bordnetz, schieben wir von Tag zu Tag. Wir haben keine Ahnung, wie das von Statten gehen soll. Allein unser Stromkasten ist für uns eine Blackbox.

Zwar verstehen wir das Manual vom Generator soweit, dass wir meinen, alle benötigten Teile für die Verknüpfung bereits an Bord zu haben (Nockenschalter, FI, etc.), aber wohin mit den Kabeln??

 

Wir versorgen Thomas schon Tage vorher mit Fotos und dem Manual und verabreden uns dann für Sonntag, 16.00 Uhr deutscher Zeit über WhatsApp.

 

Dann geht alles Schritt für Schritt in konzentrierter Ruhe. Thomas gibt Anweisungen, wir führen aus. Bei Fragen werden Fotos geschossen und hin- und her geschickt. Am schwierigsten ist es für uns, die Kabel zu identifizieren, die bereits in dem Nockenschalter klemmen. Aber Thomas hat einfach ein Elefant-Gedächtnis und weiß noch von seinen Installationsarbeiten bei uns an Bord in Holland, wie der Hase respektive das Kabel läuft. Unglaublich!

 

Dann müssen wir die Nockenschalter durchmessen. Das ist wiederum mein Part, nicht weil ich das so gut kann, sondern weil ich klein genug bin, um in die Ecke zu kommen und dort mit dem Multimeter zu hantieren. Ansgars Schultern sind für diesen Einsatz einfach nicht passend. Wieder gibt Thomas Schritt für Schritt vor, welche Klemmen gemessen werden sollen. Dann verabschiedet er sich für eine halbe Stunde, um in Ruhe einen Schaltplan zu entwickeln. In der Zwischenzeit sollen wir an zwei Kabel eine Lüsterklemme anbringen, und prüfen, ob da 220 V draufliegen. Yes...Damit sind auch diese identifiziert. Und Thomas ist auch schon wieder in der Leitung. Jetzt ist Ansgar dran. Er muss nach Thomas Anweisungen die verschiedenen Kabel in die Klemmen schrauben.

 

Was beim Lesen vielleicht ganz einfach und überschaubar klingt, hat zu diesem Zeitpunkt bereits etwa 4 Stunden in Anspruch genommen - inklusive einem kurzen Hundespaziergang (Boomer fordert auch mal sein Recht). Jetzt wird der Schalter wieder eingesetzt und alles soweit an seinen Platz gerückt. Der Nockenschlater auf Null-Stellung.

 

Dann kommt das Kommando: "Multiplus einschalten und prüfen, ob es nach Amper riecht". Warten, die Sekunden schleppen sich dahin: Dann: Multiplus positiv - Geruch negativ. Uff (wir schwitzen gerade nicht nur wegen den Temperaturen!!!). 

Jetzt: "Landstrom einstecken und wieder prüfen (ob es nach Amper riecht)". Auch hier bleibt alles friedlich. Und nachdem der Schalter auf Landstrom gestellt wird, haben wir auch wieder 220 V auf den Steckdosen. Der Rest ist die Arbeit von den Assistenzärzten: Alles Überflüssige ausräumen, die Gefäße schön mit Kabelbinder befestigen und den Patienten säuberlich wieder verschließen.

 

Wir sind platt. Danke, Thomas, das war wieder einmal grandios.

 

Für alle Booties unter unseren Lesern: Thomas Drossel bietet Europa weit Yachtservice in Sachen Elektrik und IT an, will heißen, er kommt an Bord, auch wenn die Yacht in Kroatien oder sonst wo liegt. Und wenn er erst einmal einen Überblick über die Bord-Installation gewonnen hat, gehen selbst Operationen am offenen Herzen übers Telefon. Genau das, was wir Segler brauchen!

(Thomas Drossel, Mobil: ‭+49-172-4111-321, E-Mail: t.drossel@omnikum.de, ‬ http://www.omnikum.de)