Wir segeln nach Amerika

Zu essen haben wir genug...

Gleich am zweiten Tag geht Ansgar ein Thunfisch ins Netz. Wir sind also gut versorgt für die Überfahrt. Der Wind bläst mit bis zu 20 - 25 kn und schiebt uns ´gen Westen. Wir versuchen durch den etwas westlicheren Kurs (nicht die direkte Linie nach Charleston) möglichst früh auf den Golfstrom zu treffen. Die Idee ist, wenn ab Freitag der Wind schlafen geht, wenigstens mit dem Strom Richtung USA zu schippern. Und der Plan geht auf...

Der Strom schiebt uns mit gut 2 bis 3 kn über den Atlantik. Der Wind reicht bis Freitag gerade noch so aus, dass die Windsteueranlage arbeitet. Unser elektrischer Autopilot ist ja noch "out of Order" und wird erst in Charleston den neuen Motor bekommen. 

 

Warship Burlington

Unterwegs fahren wir in eine "military practise area" rein. Als  tatsächlich so ein dicker Militär-Pott unseren Kurs kreuzt, diskutieren wir noch, ob wir die anfunken oder uns tot stellen sollen. Ich präferiere in Anbetracht des gewaltigen Kahns Letzteres. Da greift Ansgar aber schon zum Funk: "Warship Burlington - Warship Burlington - Warship Burlington - here is sailing vessel Umiak on chanel 16."

Umgehend meldet sich ein freundlicher Officer. Auf unsere Frage, ob wir jetzt ein Problem haben, kann er uns beruhigen: Erst ab Montag wird hier scharf geschossen. Na dann...

 

Wir können unseren Kurs fortsetzten. Er gibt uns gleich noch einige Informationen zu Wetter und Wellenlage auf unserem weiteren Weg. Total nett. Und glücklich für uns, denn bei dem herrschenden Wind und ohne Autopilot können wir eine Kursänderung auch gar nicht verkraften. Eine irgendwie außergewöhnliche Situation - wir sitzen erst einmal wie die begossenen Pudel im Cockpit.

 

Unsere Freunde aus den Abacos, die mit uns gestartet sind, aber Kurs auf St. Augustin, Florida, nehmen, haben nicht soviel Glück. Sie geraten in eine Übung und werden per Hubschrauber und über Funk zur sofortigen Kursänderung aufgefordert. Dieser Kursänderung können sie als Segelschiff nur begrenzt nachkommen und dann geht's tatsächlich ab: In wenigen Meilen Entfernung wird von einem U-Boot eine Rakete abgeschossen. Da schwankt nicht nur das Schiff, auch Blutdruck  und Nervenkostüm werden in Mitleidenschaft gerissen...Fazit: Man muss echt höllisch aufpassen, welchen Weg man nimmt. Die Ansagen über Funk sind häufig nur sehr schwer zu verstehen. 

 

 

Der lange Weg in die USA

Auf den letzten 80 sm verhungert der Wind gänzlich. 2 kn zeigt der Windmesser an, so wenig war noch nie!! Das heißt für uns: Steuern per Hand. Der ermüdende Job beginnt von vorn und wir robben uns sehr langsam und unter Motor nach Charleston. Mittlerweile haben wir den Golfstrom verlassen müssen und mit Kurs West steuern wir die Einfahrt Charleston an. Der Abschnitt zum Ankerplatz vor der Brücke im Ashley River ist ewig lang. Es ist Samstag und schönes Wetter und jeder scheint hier mit seinem Boot unterwegs zu sein. Vorwiegend Sportfischer mit rasend schnellen Motorbooten, vorzugsweise nicht mit einem oder zwei Außenbordmotoren, sondern üblicherweise mit 4  x 350 PS. Denen ist die Strömung so was von egal.

 

Aber irgendwann kommen auch wir an, total erschöpft, finden aber einen guten Ankerplatz direkt vor der Charleston City Marina und hatten brav vorher schon per App den Amis unsere Ankunft mitgeteilt. Gerade noch, dann sind unsere Daten zu Ende und wir brauche erst einmal eine amerikanische SIM-Karte oder irgendeinen Internetzugang.  

 

Den kriegen wir in der Marina. Mittlerweile ist von der US-CBP (Customs and Border Protection) bereits eine Mail bei uns als Antwort auf unsere Anmeldung eingegangen, deren Sinn sich uns allerdings nicht ganz erschließt. Der nette Marinero hilft und beteuert: Alles klar, ihr seid einklariert. 

 

Wir können das nicht ganz glauben, das geht zu einfach und wir haben noch keinen Stempel im Pass. Aber was können wir tun? Genau: Wir genehmigen uns erst einmal einen Drink, haben einen netten Abend mit lustigen Leuten in einer nahen Bar und schlurfen später in der Dunkelheit zu unserem Dingy zurück. Dort kommt aus der Dunkelheit ein Mann auf uns zu, seine Bewaffnung nehmen wir erst später wahr. Er fragt sehr höflich, was wir hier machen. Und wir denken, er ist von der Marina und ist vielleicht nicht damit einverstanden, wo wir unser Dingy geparkt haben. Auf seine Nachfrage: "Umiak? " werden wir stutzig. Ja, Umiak, das sind wir, da draußen vor Anker. Prima, sagt er, er ist von der US-CBP und ist extra zu uns raus gekommen, wartet hier in der Marina seit Stunden und wusste nicht recht, wie er an uns rankommen sollte. Ist das ein Ding?? Der Arme!! Und er ist noch nicht einmal schlecht gelaunt trotz all der Warterei. Im Gegenteil! Er freut sich, dass wir all unsere Papiere einschließlich der Pässe bei uns haben und setzt sich in aller Seelenruhe im Dunklen mit uns auf den Steg, um dort unsere Pässe zu stempeln und unser Cruising Permit zu kontrollieren. Wir sind fassungslos, entschuldigen uns vielmals für den Umstand und haben einen netten Plausch mit ihm. Jetzt sind wir wirklich in USA angekommen. Dass wir mit soviel Freundlichkeit empfangen werden, hatten wir nach den ganzen Horror-Erzählungen anderer Segler, nicht zu hoffen gewagt. Wir sind schwer begeistert!! Welcome to America!

 

 

 

Tourist für einen Tag!

Nachdem wir die vergangen Tage hier mit Reparaturarbeiten, Ersatzteilbestellungen und Proviantieren verbracht haben, wollen wir am Mittwoch die Stadt genießen und mal einfach nur Tourist sein.

Wir packen unsere Räder ins Dingy und radeln zunächst am Fluss-Ufer entlang vorbei am Battery-Park und dem Waterfront-Park mitten in die alte City hinein.

 

Wahrscheinlich liegt es an den zahlreichen amerikanischen Spielfilmen, jedenfalls ist uns das Stadtbild irgendwie vertraut. Und ja, wir fühlen uns wie im Kino: Die Stadt ist wunderschön, ein Bilderbuch, die nach englischem Stil geprägten Häuser bestens erhalten und gepflegt. Grandios sind die Parks und der Baumbestand innerhalb der Parks und entlang der Straßen. Außerdem: Hier ist jetzt Frühling. Das frische Grün der Blätter hat einfach was. Wir fühlen uns hier sehr wohl und gar nicht fremd! Der Tag ist perfekt und entschädigt für den ganzen  Stress, den die letzten Tage mit sich gebracht haben. Hart erkämpft, aber es lohnt sich!

Viel Geschichte!

Charleston hat viel zu bieten. Die Zahl der Sehenswürdigkeiten und Museen ist enorm.

Wir entscheiden uns unter anderem für das "Old Slavery Mart Museum". Das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, war Mitte des 18. Jahrhunderts der "Handelsplatz" für schwarze Sklaven, die aus Afrika vorwiegend nach Charleston gebracht  und von dort weiter verkauft wurden. Das Museum erzählt die Geschichte der Sklaven, ihrer Besitzer und der Händler. 

Mit den Sklaven ist der Wohlstand nach Charleston und andere Regionen der Südstaaten gekommen. Ihre Geschichten sind nur schwer erträglich. Die Zeichnungen über "ihre Lagerung" auf engstem Raum auf den Schiffen während der Atlantiküberquerung treibt einem die Tränen in den Augen.

12 Millionen Menschen, verpackt und verschifft wie Stückgut, behandelt wie... Es ist einfach unglaublich, was Menschen Menschen antun können. 

Pelikan-Airline am Futternapf!

Dieser Fischer muss bei den Vögeln besonders beliebt sein. Den Morgen wird er von einem Schwarm Pelikane begleitet. Ein ganz Frecher fährt auf dem Außenborder sitzend mit ihm mit, bis es Futter gibt. Ein lustiger Anblick!

 

Wir bauen und reparieren vor uns hin und müssen hier noch auf Ersatzteile warten. Wir hoffen am Samstag weiterziehen zu können, um den Wind weiter Richtung Norden ausnützen zu können. 

 

Den Autopiloten haben wir wieder flott gekriegt, die Computernavigation kommt heute dran und die anderen Teile, wie Winsch und Druckwasserpumpe, die in der Zwischenzeit ihren Dienst quittiert haben, vertagen wir auf später. Irgendwie kommen wir gar nicht nach. Die Teile gehen schneller kaputt als wir reparieren können. 

Nächstes Ziel ist voraussichtlich Beaufort. Dort müssen wir dann ein geeignetes Wetterfenster abwarten, um Cape Hatteras zu umrunden. Mal sehen...