Und weiter zu den Abacos

Bei Sonne und angenehmen Wind, wie vorhergesagt, fahren wir von Long Island los. Ganze 2 Stunden hält sich das Wetter an die Vorhersage. Dann rollt eine Gewitterfront in affenartiger Geschwindigkeit über uns und scheint sich an unserer Mastspitze festzusetzen. Der Wind kommt aus allen Richtungen, mit heftigen Böen, es donnert und blitzt und schüttet, was vom Himmel runterkommen kann. Das Gewitter fährt mit uns mit und etabliert sich zu einem treuen Begleiter. Nur mit Hilfe des Radars finden wir den Ausweg und fahren etliche Meilen in westliche Richtung, um hier rauszukommen.

Nachmittag und Abend bleiben von heftigen Gewittern erfüllt, allerdings glücklicherweise in ausreichendem Abstand. Ungemütlich ist es allemal. Die Wellen sind riesig und bleiben es fast bis zum Ziel. Mein Magen jubiliert....

So einen Törn braucht kein Mensch...

Auch abgesehen vom Wetter etabliert sich dieser Törn zu einem der schwierigsten und ungemütlichsten, die wir bisher erlebt haben. Mitten in der Nacht streikt wieder der elektrische Autopilot. Über einige Meilen können wir unter Windfahne steuern. Als am Morgen die Gewitter langsam abziehen und der Wind schlafen geht, ist mal wieder steuern von Hand angesagt. Eine zermürbende Angelegenheit...

Aber die nächste Widrigkeit steht schon vor der Tür: Unsere gesamte elektrische Navigation fällt aus. Erst streikt nur der Außenbildschirm, dann gibt es auf unserem Navi-PC keinerlei Schiffsdaten mehr. Wir können weder sehen, wo wir gerade sind, noch werden die AIS-Signale der anderen Schiffe angezeigt. Worst case! Wir müssen uns mit unserem Backup, den Explorer Charts auf dem I-Pad, behelfen und können die AIS-Signale nur aus einer Liste der AIS-Software entnehmen. Dabei muss man mit den angegebenen Koordinaten der näher kommenden Schiffe hantieren, was nicht vergleichbar ist mit der bildlichen Darstellung auf der Karte.

 

Mitten in der Nacht kommt uns eine amerikanischen Segelyacht sehr nahe  und wir teilen ihnen über Funkkontakt unser Navigationsproblem mit. "We will see what happens", sagt er zunächst, funkt uns kurz vor knapp aber noch einmal an: " I expect you to pass on my stern."  Danke auch. Ansgar hatte sicherheitshalber schon einige Zeit vorher den Motor angeschmissen und muss heftig das Steuer rumreißen. Ohne AIS-Signale nur anhand der Positionslichter ist es unglaublich schwer, die Entfernung, Geschwindigkeit und den Kurs eines "Kontrahenten" abzuschätzen. Wir wissen jetzt, was mit "dem Manöver des letzten Augenblicks" gemeint ist.

 

Und weiter geht's...

Glücklicherweise ist es bereits wieder helllichter Tag, als sich der Schäckel am Genuahals verabschiedet und die Genua beginnt, sich davon zu machen. Ansgar hat es zufällig bemerkt  - Gott sei Dank!! -und wir müssen erst mal schleunigst die Genua bergen. Ein Ersatzschäckel findet sich in unserer Werkstatt und wir kriegen die Genua trotz heftigem Wellengang wieder fest. 

 

Am dritten und letzten Tag dieser Reise ist der Wind ziemlich mau und wir steuern geduldig unseren Weg, mittlerweile ziemlich müde von dieser eintönigen Arbeit.

Die enge Einfahrt durch die Riffe vor den Turtle Cays ist gut machbar, wir haben uns umsonst Sorgen gemacht. Noch etliche Meilen motoren wir hinter den Riffen nach New Plymouth und sind total erschöpft, als wir hier endlich den Anker schmeißen können.

New Plymouth auf Green Turtle Cay!

Hier gefällt es uns gut!. Wir haben einen prima Ankerplatz, von dem wir schnell an das "Towndock" gelangen. Der Name ist allerdings etwas übertrieben, das Örtchen New Plymouth sehr klein, aber sehr malerisch. In etwas 10 Minuten hat man eigentlich alle Straßen abgelaufen. Es gibt noch einige Marinas, zu denen man sich durch relativ enges und vor allem zum Teil flaches Wasser durchschlängeln kann. Meist sind das allerdings einfach nur ein paar Liegeplätze  in Zusammenhang mit Ferienresorts. Alles sehr hübsch und super gepflegt.

 

Da wir dringend tanken müssen, sondieren wir die Örtlichkeiten erst mal mit dem Dingy. "Alles kein Problem" teilt man uns mit, der zum Fueldock führende Kanal sei für uns bis "Mid-water" ausreichend tief. Na ok, wir probieren es. Suchen uns die Tidenzeiten raus und fahren kurz vor Hochwasser in den Kanal zur Marina. Stellenweise zeigt das Echolot noch ganze 10 cm unter unserem Kiel. Na, das reicht ja locker.... :(

Wir legen an, tanken und rauschen gleich wieder raus. Mid water reicht definitiv für uns nicht.

 

Wir verbringen hier ein paar Tage, um vor allem mit Thomas grandioser Hilfe unsere elektrische Navigation soweit wieder in den Griff zu kriegen, dass wir manövrieren können. Wir sind sehr dankbar für unseren "Bordelektriker". Thomas hatte sich in Holland um unsere gesamte Elektrik gekümmert und weiß auch nach all dieser Zeit ziemlich gut, was an Bord Sache ist. Echt genial!! Auch bei der Analyse des Autopiloten-Fehlers ist die Ursache mit Thomas Hilfe schnell gefunden: Der Elektromotor ist total durchgebrannt. Die Wind- und Wellenverhältnisse waren wohl doch zu viel für das Teil. Wir wünschen jedem Segler, der so wenig Ahnung von Elektrik hat wie wir, einen Tomas!! Herzlichen Dank an dieser Stelle nochmal!!

Übrigens hier ist Thomas Website für alle, die Bedarf haben. Er bietet europaweit Yachtservice an und wenn man mal weiter weg ist, gibt es den Service via WhatsApp-Telefon per Fernwartung.

 

Hier auf den Bahamas brauchen wir auf Ersatzteile brauchen wir allerdings nicht zu warten. Nach Nassau wird ziemlich schnell geliefert, bis dies Sachen aber hier auf die abgelegenen Inseln kommen, das kann Wochen dauern. Wir werden also auf guten Wind warten und die Reparaturen erst in den USA vornehmen können. Mit der Navigation kommen wir so zurecht, die Frage ist, ob wir genügend Wind für die Windfahnensteuerung haben.

Schwimmen ja, aber...

Das Wasser ist auch hier super klar und noch angenehm warm. Man muss aber schon schauen, dass man keine Begleiter hat. Es wimmelt hier von Haien. Meist relativ harmlose, wie diese Ammenhaie hier, die direkt vor dem Steg mit ihren Babies  rumschwimmen und die Abfälle der Fischer vertilgen. Es gibt aber auch Hammer- und Tigerhaie.... also, um es kurz zu machen: Der Captain geht hier nicht mehr schwimmen!

 

 

Adios Bahamas!

Am Dienstag klarieren wir aus. Wieder werden wir ordentlich zur Kasse gebeten: 75 $ - wir merken, dass uns jetzt langsam der Spaß hier vergeht. 300 $ Cruising-Permit, 100 $ Einklarierungsgebühr und 75$ Ausklarierungsgebühr.... heftig oder?

Die Bahamas haben es echt in sich, und wir bezweifeln, dass wir auf dem Rückweg in der nächsten Wintersaison hier noch einmal herkommen. Es ist zwar wunderschön, für Segler allerdings nicht unbedingt das Top-Revier. Auch wenn sich die Marinas hier als "Full-Service-Marinas" bezeichnen, eigentlich bekommt man nichts und Lebensmittel, ok verständlich auf den abgelegenen Inseln, sind teuer.

Wir hoffen auf guten Wind ab Mittwoch und werden in Richtung USA starten. Mal sehen, wo uns Wind und Golfstrom hinbringen werden....