Auf in die Bahamas

Von San Juan nach Abrahams Bay, Mayaguna

In San Juan diskutieren wir mit einem schottischen Segler, den wir beim Ausklarieren getroffen haben, noch intensiv über das Wetter. Zur Zeit ist ein Sturm vor Florida, dessen Auswirkungen wir hier zu spüren bekommen. Er dreht in die falsche Richtung und wir wissen nicht so genau, was wir davon zu halten haben. Anhand der zahlreichen Wetterberichte und Grib-Daten entschließen wir uns dann aber doch trotz gemeldeter Böen um die 30 kn loszufahren. Wir brauchen für die 470 vor uns liegenden Seemeilen gut vier Tage und ab Sonntag soll der Wind sehr schwach werden.

War eine gute Entscheidung. Bis Sonntag ist uns der Wind hold mit anfänglich tatsächlich häufiger 30 kn Stärke. So geht es flott dahin. Erst am Montag wird es mau und wir brauchen zwischendurch den Motor. Wir kommen vor Mayaguna allerdings Dienstag früh um 03.00 Uhr an. Einfahrt in die Reffs ist nur bei Tageslicht möglich. Also Beidrehen und schlafen. Dabei frischt zwischendurch der Wind mal wieder auf 20 kn auf. Insgesamt machen wir beigedreht die Strecke von 7 sm innerhalb von 4 Stunden. Ankern ist einfach doch etwas anderes. Zum "Parken" mitten auf dem Ozean funktioniert dieses Manöver aber wirklich gut. Vor allem, weil die Schiffsbewegungen durch die dann seitlich einfallenden Wellen deutlich reduziert sind.

Im Morgenlicht und bei Hochwasser steuern wir dann die Bucht an und sind ziemlich gespannt: enge Einfahrt durch die Reefs, in der Einfahrt Korallen, Felsen und Flachs. Warnungen in allen Charts und Guides: EBN!! Was soviel heißt wie Eyeball-Navigation, also Augen auf!! Kunststück! Das Wasser ist hier so klar, dass alle Felsen und Korallen in greifbarer Nähe erscheinen selbst bei 3 bis 4 Meter Wassertiefe. Ich stehe vorne am Bug und soll dem Captain sagen, wo es lang geht. (Also alles wie immer  :) ). In Schleichfahrt manövrieren wir uns vorsichtig durch dieses unglaubliche Wasser mit Augen und nach Karte. Gott sei Dank liegen zwei andere Boote hier und wir sind wenigstens nicht ganz allein auf weiter Flur. Aufkommender Regen und dunkle Wolken machen die Anfahrt nicht einfacher.

Wir sind ziemlich erleichtert, als wir ohne Grundberührung unsere Ankerposition erreicht haben und Umiak brav in den sanften Wellen schaukelt.

 

 

Warum Mayaguna?

Ordnungsgemäß machen wir gleich unser Dingy klar und fahren ans "Dock" um einzuklarieren. Das Dock ist ein Stückchen brüchiger Zement ohne irgendwelche Klampen oder anderweitige Gelegenheiten, ein Seilchen darum zu binden. Die Anfahrt zum Dock ist selbst mit dem Dingy ein Kunststück, da sehr flach. Wir laufen in das "Einkaufszentrum". Dies sind ein paar Hüttchen und Häuschen, die meist ziemlich ramponiert und ungepflegt aussehen. "Absolut totes Hose". Von den 300 dort lebenden Einwohnern sind die meisten unter der Woche auf anderen Inseln zur Arbeit. Die regnerische Wetterlage ist der Stimmung hier nicht wirklich zuträglich. Allein der "BTS-Shop" ist ein relativ schmuckes kleines Haus und zur unserer Überraschung können wir dort gleich eine SIM-Karte kaufen.

 

Mit dem Einklarieren haben wir aber kein Glück. Es gibt zwar ein offizielles Bürogebäude "Customs and Immigration". Der einzige Officer, der die Stempel verteilen und die Befahrensgebühr für die Bahamas (330 $!!!) darf, hat aber gerade Urlaub. Alle die anderen, die im Büro sitzen und ein Schwätzchen halten, sind dafür nicht zuständig. Blöde Situation! Das Crusing Permit für die Bahamas ist nämlich laut Gesetzt im nächst gelegenen Port of Entry zu erstehen. Ansonsten drohen drastische Strafen in fünfstelliger Höhe. Wir suchen die Polizei auf. Vielleicht können die uns irgend einen Schrieb in die Hand drücken, der zumindest unseren guten Willen belegt. Auch hier ist der Officer unnachgiebig. Er ist dafür nicht zuständig. Es bleibt uns als Dokumentation unseres guten Willens also nur ein Selfie von uns vor dem Customs & Immigration-Büro und die Quittung von unserer Bahamas-SIM-Karte.

Sicherheitshalber werden wir unsere Route ein wenig ändern und ein paar der kleinen Inselchen auslassen, um direkt nach Long Island zu starten, dort ist der nächste Einklarierungshafen.

Zwei Tage fast ganz ohne Schwell und in absoluter Ruhe

Als am Mittwoch Morgen der Tag mit strahlendem Sonnenschein beginnt, liegen wir ganz alleine in der Bucht. Bereits gestern Nachmittag haben wir ohne Unterbrechung am Boot gearbeitet und alle Wartungsarbeiten erledigt, die eben dauernd erforderlich sind. Heute können wir uns bei dieser Ruhe endlich unserer Schiene vom Genuabaum widmen.

 

Zur Erinnerung: Das Teil ist uns auf der Atlantiküberquerung vom Mast gerissen worden. Der Hersteller hat uns die Ersatzteile ohne Probleme nach St. Martin geschickt. Bisher hatten wir aber immer zu viel Schwell, um die Arbeiten durchführen zu können. Jetzt gibt es keine Ausrede mehr und der Captain muss in den Mast. Hoch - runter - hoch runter. Wir sind zum wiederholten Male sehr dankbar für unsere Mastsstufen. Es klappt alles gut, anstrengend ist es aber auch trotz relativer Ruhe im Schiff. Die Sonne verbrutzelt uns ganz schön. Aber nach ein paar Stunden ist der Baum wieder da, wo er hingehört, und wir sind überaus zufrieden. Der Tag verläuft arbeitsreich weiter. Unglaublich, was es immer alles an Bord zu tun gibt.

 

Ich bin so in die Arbeit vertieft, als Ansgar plötzlich von draußen ruft: "He, die Bucht ist voll!" Und tatsächlich: Da ist doch glatt ein anderer Segler gekommen! Schweizer, die wir am Spätnachmittag noch besuchen und uns mit der vierköpfigen Crew nett unterhalten. Und noch ein Catamaran, Amerikaner - auch super nett, gestellt sich zu uns. Die Schweizer mit Hubkiel, der Catamaran mit ohnehin geringem Tiefgang, klar, dass die hier etwas entspannter rumfahren können. Wir hoffen, morgen gegen Nachmittag bei Hochwasser gut aus der Bucht wieder rauszukommen. Wir werden zwar die ganze Fahrt nach Long Island kaum Wind haben, wollen aber zumindest die etwas stärkere Brise, die für Freitag angekündigt ist, ausnutzen. Mal sehen, ob's klappt.

 

Und doch noch auf Grund gelaufen: Als wir mit dem Dingy unseren Müll zum Container am Dock bringen wollen, erwischt es uns voll. Plötzlich ist kaum mehr Wasser da und wir setzen auf. Der Motor knurrt beleidigt auf und wir müssen unser Dingy von Hand ins tiefere Wasser zurückzerren. Je nach Lichteinfall sieht man ein klein bisschen was bis absolut überhaupt gar nichts. Und man kann definitiv nicht erkennen, wo es flach wird und wo wieder mehr Wasser steht. Mit dem Dingy ist das natürlich ganz spaßig, vor allem mit Festrumpf. Mit Umiak 25 Tonnen Langkieler wollen wir das lieber nicht erleben...

 Immer wieder ....

Auch hier auf mittlerweile 22° 15`N 072° 56W sind die Sonnenuntergänge einfach nur berauschend. Mittlerweile geht der Prozess nicht mehr ganz so schnell von statten. Der Mond hängt hier auch nur noch eine viertel Drehung verkehrt...:).

Morgen verlassen wir die Abrahams Bay Richtung Long Island. Schließlich sind wir, da noch nicht einklariert, sozusagen "illegal" hier.

 

Entgegen der anfänglichen Skepsis dieser Bucht gegenüber, fällt jetzt der Abschied richtig schwer. Der Sternenhimmel und die Ruhe sind so umfassend. Wir schalten sogar den Kühlschrank aus, weil er in dieser Stille hier entschieden zu laut brummt....