Happy New Year aus Barbados

Landfall nach 16 Tagen

Landfall ist am frühen Freitag-Morgen, 28.12.18, in Port St. Charles, einer fast komplett privaten Marina. Am Fuel-Pontoon dürfen wir festmachen. Wir gehen ins nahegelegne Office, um einzuklarieren und stellen fest: die Erde schwankt hier unglaublich! Wir kommen kaum die Treppen hoch, so wackelt für uns alles. Nach 16 Tagen auf See sind wir jetzt "landkrank" - fühlt sich genauso an wie seekrank, aber jeder, der Dich torkeln sieht, lacht Dich aus...

Nach dem offiziellen Prozedere tanken wir noch Wasser und machen uns dann auf den Weg entlang der Küste Richtung Süden zur Carlisle Bay. In dieser Bucht gehen wir vor Anker und werden dort erst mal eine Weile bleiben, um auszuruhen, das Schiff wieder klar zu machen und die Insel zu erkunden.

 

Barbados ist doch eine Reise wert

Es ist ganz gut, wenn man nicht auf die Empfehlungen oder Nicht-Empfehlungen anderer hört. Schon so oft wurde uns von Zielen abgeraten, die wir persönlich dann aber als absolut sehenswert empfunden haben. Sines in Portugal war so ein Beispiel und jetzt: Barbados.

Gut, die Insel ist von ihrer Infrastruktur her nicht für Segler gemacht und die Hauptstadt Bridgetown ist ziemlich heruntergekommen. Aber eben auch lebendig, turbulent, lebhaft, mit viel Musik und tanzenden Menschen, chaotisch und scheinbar unorganisiert, aber irgendwie klappt immer alles ganz prima. Und: Die Menschen hier sind extrem nett, höflich, hilfsbereit und immer zum Scherzen aufgelegt. Es fällt uns nicht schwer mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen. Wir sind definitiv gerne hier und genießen die Zeit.

Der Fischmarkt am Freitagabend mit leckerem Essen und trinken, vielen bunten Farben und tanzenden Menschen, wandernden Combos und anderen vielfältigen Darbietungen ist ein einmaliges Erlebnis. Die Busfahrt dorthin auch! Geht sonst auf dieser Insel alles seinen gemächlichen Gang, Busfahren heißt hier immer Voll-Speed und volle Dröhnung Musik. Jede Fahrt kostet hier 2 Bajan, ca. 1 €, egal wie weit die Fahrt geht. Die Busfahrer halten an, wenn sie merken, da will jemand mit, auch wenn die eigentliche Bushaltestelle weit entfernt ist oder zur Not eben auch mal mitten auf der Kreuzung gehalten werden muss. Dieses öffentliche Nahverkehrssystem, eine Mischung aus offiziellen Linienbussen und privaten Kleinbussen, funktioniert hervorragend. Man findet immer und überall ziemlich zügig eine Verbindung und wäre mit dem eigenen Auto sicher nicht schneller unterwegs. Ok, dass es hier keinen TÜV zu geben scheint, darüber muss man eben großzügig hinwegsehen...

 

Barbados hat einiges zu bieten

Auf unserer Rundreise über die Insel lernen wir die vielfältige Natur und die wunderschönen Landschaften kennen: Von den karibischen Sandstränden auf der Westseite zu den felsigen rauen Küsten im Osten, den weiten Zuckerrohr- und Bananenplantagen und ihren  Farmhäusern mit dem Charme aus  längst vergangenen Tagen, dem tropischen Regenwald etwa in der Mitte der Insel, den riesigen Anwesen der Reichen auf gepflegten Parkgrundstücken mit bestem Seeblick und den kleinen Häusern der "Normalos", meist auf Stelzen, teils wunderschön geschmückt und gepflegt, teils ziemlich runtergekommen und vergammelt.

 

Was macht uns zu schaffen?

Auf unserer eigens geschaffenen Preisskala, dem Caipi-Index, schneidet Barbados schlecht ab. Mit ca. 7 bis 10 € pro Rum-Punch (super lecker, ersetzt definitiv unseren Caipirina) ist Barbados bisher definitiv Spitzenreiter und schlägt tiefe Kerben in unsere Kasse. Als wir an unserem ersten Abend hier aufgrund unserer Landsehnsucht und unserer Müdigkeit essen gehen, verschlägt es uns fast die Sprachen. Wir kaufen fortan auf den lokalen Märkten Gemüse und Obst ein; das ist, wenn auch teuer, durchweg frisch und von hoher Qualität. 

Und noch etwas macht uns zu schaffen: Auf dem Ankerplatz in der Carlisle Bay ist teilweise so starker Schwell, dass wir das Gefühl haben noch auf dem Atlantik zu schaukeln. Essen und kochen ist manchmal echt mühsam und beim Schlafen müssen wir uns auch wieder festklemmen. Zudem drehen am Wochenende die Discoschiffe hier ihre Runden, von Mitternacht bis zum Morgengrauen. Sie beschallen uns nicht nur mit sagenhaft lauter Musik. Die "Anheizer" brüllen begleitend ständig in ihr Mikro, so dass das Ganze einfach in einem heillosen Krach endet. Schade eigentlich, denn die karibische Musik mögen wir eigentlich sehr gerne, zur Not auch mitten in der Nacht. Aber die Barbadjaner haben grundsätzlich dermaßen laute Stimmen. Und wehe, sie bekommen ein Mirko in die Hand....