Packen wir es also an!

Der Start hat es in sich!!

Bei 30 kn Wind verlassen wir den sicheren Hafen und mühen uns zwischen den Inseln Sao Vincente und Santo Antao durch. Der Wind pfeift ordentlich, aber Umiak verträgt viel Wind und so kommen wir gut voran.

Wir haben eigentlich die Inseln schon Meilen hinter uns gelassen, als wir plötzlich von wiederholten heftigen Winddrehern und Böen heimgesucht werden. Einmal wirft es uns tatsächlich so durcheinander, dass wir den Kurs nur unter Motor wieder aufnehmen können. Das hatten wir uns aber ganz anders vorgestellt!!!

Als sich nach Stunden endlich ein relativ starker konstanter Wind aus Südost einstellt, segelt es sich zwar etwas einfacher. Uns ist aber klar: Das kann noch nicht das Ende vom Lied sein. Passat heißt in diesen Breiten stetiger Wind aus Nordost! Also warten wir noch... und tatsächlich, gegen Abend dreht sich der Wind endlich und bläst aus der erwarteten Richtung.

Und wie: In Spitzen haben wir über 40 kn Wind!. Da die Nacht kommt fahren wir nur mit Fock (kleinem Vorsegel). Damit sind wir zwar nicht so schnell, es erscheint uns aber sicherer. Der Wellengang ist unglaublich. Wir dachten, wir kennen den Atlantik ja schon zur Genüge von unseren Törns nach Madeira (480 sm) und zu den Cabos (850 sm). Das hier ist aber definitiv eine andere Nummer. Wir haben so viel zu tun, dass mir noch nicht mal richtig schlecht wird... alles hat zwei Seiten.

Als die erste dieser gigantischen Wellen uns von hinten überholt und ins Cockpit einsteigt - wir hatten sie nicht drum gebeten!!! - schließen wir mit dem unteren Schott den Niedergang ab. Sicher ist sicher - denken wir. 

Aber es sollte noch schlimmer kommen....

Salzwasserdusche  in der Küche

Wir hatten gerade beschlossen, auch die Tür und den Lukendeckel zum Niedergang zu schließen, um das Bootsinnere gänzlich gegen Wassereinbruch abzusperren, als Ansgar noch einmal ins Cockpit muss, um die Windsteueranlage zu checken. Just in diesem Moment kommt so ein Brecher rein und schwappt bis hinunter ein unsere Küche: Etliche Liter Salzwasser müssen nun erst mal aufgewischt werden, so gut es bei diesen heftigen Schiffsbewegungen eben geht. Eigentlich sollte ich mich gerade Schlafen legen, um für meine Nachtwache ab 0.00 Uhr wieder fit zu sein. Anstrengend. Hoffentlich bleibt das nicht so, bis wir in der Karibik ankommen!

Die nächsten Tage bleiben sehr windig und wellig. Wir fahren jetzt wieder unter Genua, damit sind wir schneller und werden nicht mehr von den Wellen überholt. Vorsichtshalber kleben wir zusätzlich das Schott mit Tape ab und fahren immer mit geschlossenen Türen. Heißt aber bei den Nachtwachen, dass man unter Deck sitzt und sich ein bisschen eingesperrt fühlt. Für jeden Rundgang kämpft man sich vorsichtig ins Cockpit und blickt dann in die schwarze Nacht und sieht: Nichts! Eigentlich checken wir immer nur alle 20 Minuten Kurs und Segel. Mögliche andere Schiffe sind sowieso nur auf dem Radar oder anhand der AIS-Signale auszumachen. Und es wird ganze neun Tage dauern, bis wir überhaupt mal wieder in die Nähe eines anderen Schiffs kommen...

 

 

Schmetterling mit Fock

Ab dem dritten Tag auf See hat sich alles beruhigt, der Wind bläst stetig mit ca. 15 kn aus Nordost bis Ost, geht aber zwischendurch meistens in den Abendstunden auf unter 13/14 kn zurück. Ein bisschen wenig!

Wir haben keinen besonderen Leichtwindsegel, müssen also mit Großsegel, Fock und Genua klar kommen. Um möglichst Kurs auf unser Ziel halten zu können, fahren wir weite Strecken nur mit Genua. Bis Ansgar auf die geniale Idee kommt, zusätzlich die Fock zu setzen und über den Großbaum auszubaumen. Funktioniert prima: Wir können jetzt fast direkt vor dem Wind fahren und es geht selbst bei wenig Wind ganz gut voran. Mit mindestens 5 kn und teilweise bis zu 8 kn Fahrt machen wir durchschnittlich in den nächsten Tagen Etmale zwischen 125 und 150 sm. Langsam stellt sich eine gewisse Bordroutine ein. Wir wechseln uns nachts im vierstündigen Wechsel ab, schlafen, eingeklemmt in irgendwelchen Ecken, trotz der heftigen Schiffsbewegungen ganz gut.

Bergfest mit Mahi Mahi

Am Donnerstag, den 20.12.18, haben wir Bergfest. Ansgar hat heute erfolgreich geangelt und wir grillen abends Goldmakrele (Mahi Mahi).

Mehr als 1000 sm haben wir nun im Kielwasser. Wir freuen uns schon sooo sehr auf: Land in Sicht. Es ist einfach eine verdammt lange Reise. Besonders in der ersten Hälfte hatten wir manchmal richtig "Heimweh", und zwar nicht nach einem bestimmten Ort, sondern einfach nach Land, anderen Menschen, raus gehen zu können, Caipis trinken zu gehen...Hier in dieser Unendlichkeit des Ozeans hat man Zeit und Raum für seine Gedanken. Vielleicht gerade deshalb fühlt man sich so beengt, kann seinem Innersten nicht ausweichen... Außer den täglichen Bordpflichten gibt es keine Ablenkung. Man ist vor allem sich selbst erbarmungslos ausgesetzt. Eine sehr spezielle Erfahrung! 

 

 

 

Nach neun Tagen das erste Schiff

Seit einer gefühlten Ewigkeit sind wir hier draußen ganz allein. In der Nacht zum Freitag entdecke ich auf dem Radar ein entgegenkommendes Schiff. Schnell wird im AIS deutlich: ein riesiger Frachter ist es und der kommt direkt auf uns zu!! Das gibt es doch nicht. Platz hier draußen ohne Ende und dann auf Kollisionskurs mit dem einzigen Schiff seit 1000 sm??

Während wir staunend auf unseren Bildschirm starren und noch abwarten wollen, weil wir aufgrund der Windrichtung und der Segelstellung nicht nach Steuerbord ausweichen können, ändert der dicke Kerl doch tatsächlich für uns seinen Kurs um 20 Grad. Das ist ja wirklich ein Ding!! Wir nehmen Funkkontakt mit ihm auf und bedanken uns artig für sein Ausweichmanöver. Er antwortet uns, Dank sei nicht nötig, ist ja seine Pflicht; wir haben noch kurz geplaudert, und weiter geht's. Auch wenn wir die Ausweichregeln mittlerweile gut kennen, verlassen wir uns doch letztlich nicht darauf, dass so ein Bigship auch wirklich ausweicht. Denn was, wenn er das nicht tun würde???

Aber so ein AIS-Signal ist einfach ein Segen!!! Jeder Entgegenkommende sieht, wo Du bist, welchen Kurs Du fährst und wie schnell und vor allem, wer Du bist, nämlich ein Segler, der nicht so einfach mal eben den Kurs wechseln kann...

 

Was man auf dem Foto übrigens noch sieht, sind Squalls (weiter unten rechts der grüne Fleck). Squalls sind kleine, ganz lokale Gewitterzellen mit Regen, Winddrehern und Starkwind-Böen, die über Minuten andauern können. Sie sind im Radar gut zu erkennen und ein paar von ihnen ziehen in dieser Nacht über uns weg: Der erste direkt über uns, macht uns nicht viel aus, da wir vorsichtshalber die Segel gerefft haben. Die weiteren Squalls gehen allesamt seitlich an uns vorüber. Kein Problem also...

 

 

 

Wir Drei-Punkt-Menschen

Wie kann man sich als Landratte das Bordleben vorstellen?

Alles, aber auch wirklich alles ist immer in Bewegung. Auf den Vorwind-Kursen neigt sich das Boot zwar nicht zur Seite, aber die Wellen verursachen ein stetiges Rollen. Nichts, gar nichts bleibt von selbst dort, wo man es hingestellt hat. Jeder Schritt und jeder Handgriff will wohl bedacht sein. Jede Schranktür, die man aufmacht, muss gesichert werden (auch natürlich der Inhalt, der sich im Schrank verbirgt, gilt besonders für den Kühlschrank!!!). Jedes Glas Wasser, das man sich eingießen möchte, ist eine logistische Herausforderung. Kochen ganz besonders!. Essen aber auch. Und: Essen und dazu etwas trinken - geht gar nicht, oder nur mit etlichen Tricks. Auf zwei Beinen durchs Boot oder über Deck gehen? Mindestens ein weiterer Körperteil muss dazu irgendwo fest verankert sein. Ich habe uns daher "Drei-Punkt-Menschen" getauft. Und bekomme nicht aus dem Kopf, dass wir uns auf dem allseits bekannten Bild der evolutionären Entwicklung hin zum aufrecht gehenden Homo sapiens als Segler sozusagen in die falsche Richtung entwickeln... (:

Dies und der ständige Schlafmangel machen die Überfahrt körperlich anstrengend. Die anstehenden Segelmanöver sind dagegen eher willkommene Abwechslung von der Bordroutine und der Eintönigkeit des Alltags auf See. Für die Seele anstrengend ist die Einsamkeit. Wir schätzen uns sehr glücklich zu Zweit unterwegs zu sein und außerdem über Satellitentelefon via Mail mit der Familie in Kontakt zu stehen. Außerdem tauschen wir uns mit unseren Freunden von der Segelyacht Navicula aus. Sie sind ca. 4 Tage vor uns aus Mindelo gestartet. Kennengelernt hatten wir uns bereits an der Algarve. Die täglichen Kurzberichterstattungen tun richtig gut!! Fühlt sich ein bisschen wie eine Selbsthilfegruppe an: einfach reden, Gedanken austauschen und verstanden werden! :)

 

Weihnachten auf See

Erstes Weihnachten soweit weg von der Familie - schon seltsam, aber eigentlich haben wir auch überhaupt keine weihnachtlichen Gefühle. Die Temperaturen steigen auf unserem Weg westwärts zunehmend. Jacken und Socken haben wir schon längst in die Kisten verbannt und der Gedanke an Kerzenlicht, Kaminfeuer und Christbaum ist in sehr sehr weiter Ferne. Über Iridium haben wir mit unserer Familie Kontakt und schreiben unsere Weihnachtswünsche aus unserer Position etwa 500 sm östlich der Karibik. Unser Weihnachtsfoto an unsere Freunde nehmen wir hier auf, werden es aber erst abschicken, wenn wir wieder an Land über eine SIM-Karte verfügen. Aufgrund des hohen Seegangs bleibt das Weihnachtsmenü ziemlich bodenständig : Kartoffelbrei mit Erbsen/Karotten und Würstchen und dabei immer schön festhalten!

 

Der Katastrophentag 

 

Sollte jemand den Verdacht hegen, auf dem nebenstehendem Foto stimmt etwas nicht?

Jawohl! Zu sehen das Ruder unserer Windfahnensteuerung, das eigentlich am unteren Ende der Steueranlage ins Wasser ragen sollte. Nachdem wir wie üblich an der Windfahne gelegentlich den Kurs korrigierten, wunderten wir uns, dass unser Schiff plötzlich eine doch recht seltsame, in jedem Fall von uns nicht wirklich gewünschte Richtung einschlug. Was ist denn hier los?? Winddreher?? Rätselhaft!! Plötzlich merkt Ansgar: Das Ruder ist weg!! Und steuern ohne Ruder geht ja wohl nicht. Ups und nun?

 

Schnell Genua rein und Motor an, auf Gegenkurs und Augen auf. Vielleicht schwimmt das Teil ja?

 

Hatten wir auf Kurs West das Gefühl zu wenig Wind zu haben, gestaltet sich die Situation nach Wendung um 180 Grad ganz anders. Plötzlich bläst einem der Wind von vorn ins Gesicht und fühlt sich gar nicht mehr so schwach an, zusätzlich kommen die gewaltigen Wellen nun ebenfalls von vorn. In dieser Situation zwischen den endlosen sich auftürmenden Wasserbergen sollen wir unser kleines (Höhe ca. 1,20 m) Ruder wiederfinden? Ausgeschlossen. Die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Wir gucken uns die Augen aus.

 

Aber auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn und wir haben so richtig Glück: Nach ca. 45 Minuten Suchfahrt sichten wir unser Ruder, das immer wieder in den Wellen verschwindet. Schon die Anfahrt ist spannend, verlieren wir es doch immer wieder aus den Augen. Der Gedanke an ein Mann-über Bord-Manöver lässt einen schaudern. Was sind wir froh, nur unser Ruder zu suchen!!!!

 

Es gelingt! Die Bergung braucht zwar auch geraume Zeit, schließlich hat das blöde Ding ja keine Haltegriffe, an denen man zupacken könnte, sondern ist im Gegenteil aalglatt. Aber mit vereinten Kräften und Kescher schaffen wir es. Kaum zu glauben. Die ganzen nächsten Tage schütteln wir beim Anblick des an die Heckreling gebundenen Ruders ungläubig den Kopf...

 

Am selben Tag geht leider auch die Mastschiene unseres Genuabaums komplett zu Bruch. Seit etlichen Tagen war sie bereits ein gutes Stück aus der Verschraubung am Mast gerissen, aber noch in einem Stück, so dass wir, ohne an der Genua-Stellung etwas zu ändern, weitergesegelt sind. Jetzt ist sie total durchgebrochen. Wir sind froh, dass wir den Baum bergen und festsetzen können und er keine weiteren Schäden am Schiff verursacht hat. Die Kräfte, die hier auf dem Ozean am Werke sind, sind wirklich gigantisch. Weder der Genuabaum noch die Windfahnensteuerung sind Produkte aus dem Baummarkt, sondern von wirklich spezialisierten versierten Fachfirmen gebaut und installiert. Es ist nicht zu fassen...

Wir segeln nun unter elektrischem Autopilot und mit nicht ausgebaumter Genua. Damit ist ein direkter Kurs auf Barbados nicht mehr möglich und wir müssen etliche Meilen Umweg in Kauf nehmen.

Land in Sicht

Am Freitag morgen, nach knapp 16 langen Tagen und Nächten auf See kommt Barbados in Sicht. Zunächst können wir in der Nacht schon die Lichter ausmachen. Dann dauert es aber noch einmal gut vier Stunden, bis wir die Nordspitze umrundet haben und in Port St. Charles einlaufen. Die Marina ist hauptsächlich privat, ein luxuriöser Apartmentkomplex mit jeweils eigenen Stegliegeplätzen. Die Schiffe, die dort liegen, sind entsprechend. Es gibt aber ein Fuel-Pontoon, an dem Besucher festmachen dürfen. Hier kann man Diesel und Wasser tanken und in einer wunderschönen Villa in kaum 100 Meter Entfernung bequem einklarieren. 

Wir verlegen uns am Nachmittag dann zu unserem finalen Bestimmungsort: Carlisle Bay, Bridgetown.

Bemerkenswertes

Wind: Der Wind hätte nach unserem Geschmack ruhig etwas stärker wehen dürfen. Gerade in den Flauten mit in den Wellen schlagenden Segeln ist die Belastung für das Material immens und nagt unsagbar an den Nerven!

Sonnenaufgang- und Untergänge: Spektakulär, aber man muss schnell hingucken. Wir sind hier ca. auf dem 15 Breitengrad, da geht das Zack-Zack.

Sternenhimmel: Gigantisch! Im letzten Drittel hatten wir aber Vollmond und damit richtig helle Nächte!

Mond: Hängt auch hier verkehrt rum (um eine viertel Drehung gegen den Uhrzeigersinn gedreht). Der Vollmond bereitet uns unglaublich stimmungsvolle Nachthimmel! Sagenhaft! Wir genießen diese Nachtfahrten sehr!

Endlose Weite: Einen gefühlsmäßigen Unterschied, ob man im Umkreis von tausenden Seemeilen nur Wasser um sich hat oder ca. 400 sm von der damit nicht mehr wahrnehmbaren Küste (z.B. der Küste Afrikas auf dem Weg zu den Cab Verden) unterwegs ist, konnten wir nicht wirklich feststellen. Die Kulisse ist natürlich tagein tagaus mehr oder weniger (abhängig von Wolken und Wellen) dieselbe. Nur manchmal, wenn man gerade mit Baum oder Segel gegen Wind und Wellen kämpft und mit allen einem zur Verfügung stehenden Kräften an Deck angeleint auf allen Vieren versucht, die nötigen Manöver zu absolvieren, fragt man sich schon: "Was machen wir hier eigentlich"? In den besonderen Momenten, wenn irgendwelche Teile kaputt gehen oder Ausfälle zu beklagen sind (z.B. an unserem Katastrophentag), machen sich auch Ängste und Sorgen breit: Was denn noch alles? Was, wenn dies oder jenes noch passiert? Werden wir die restliche Strecke schaffen?

Kurioses oder "Die Welt ist wirklich klein": Unterwegs, so ca. auf halber Strecke, haben wir Funkkontakt mit einer Segelyacht, die ähnlichen Kurs steuert: vier Norweger, ebenfalls auf dem Weg nach Barbados. Recht schnell verlieren wir uns auf dem großen Wasser allerdings wieder aus den Augen und aus dem Radar. Aber wir sehen uns wieder! Wo? Als wir am Abend unserer Ankunft auf Barbados zu müde sind selbst zu kochen, fahren wir mit unserem Dingi nach Bridgetown und suchen uns ein kleines Restaurant. Dort erschrecken uns erst einmal die karibischen Preise. Dann spricht uns eine nette Frau vom Nebentisch an. Wir kommen ins Gespräch und rücken an einem Tisch mit ihr und ihren drei Begleitern zusammen: Es sind die vier Norweger!! Nach 1000 sm treffen wir uns am gleichen Tisch!

Und noch so eine Story: Am Ankerplatz in der Carlisle Bay trifft am Sonntag eine Yacht ein, ankert direkt neben uns und winkt noch während des Ankermanövers wie entfesselt zu uns rüber. Wir sind einen Moment verdutzt, dann erkennen wir sie:  Es sind die Neuseeländer, die eine halbe Stunde vor unserer Abfahrt von Mindelo in der Box neben uns festgemacht haben und mit denen wir vielleicht noch fünf Minuten geplaudert haben, bevor wir die Leinen losgeworfen haben. Nach 2100 sm liegen sie wieder neben uns. Wir fahren natürlich gleich mit einem Willkommens-Bierchen rüber und gratulieren zur gelungenen Atlantiküberquerung!

Keine Wale: Außer die beiden Markelen, die Ansgar an der Angel hatte, haben wir kaum Tiere gesehen. Keine Wale, nur ein paar vereinzelte Vögel und jede Menge fliegende Fisch.

Energie an Bord: Eigentlich sind wir bisher immer mit Computer, Außenbildschirm etc. , also kompletter digitaler Navigation gesegelt. Es kostet uns ein bisschen Überwindung, das alles auszuschalten und nachts nur ca. alle zwei Stunden mal Radar und Computer anzuknipsen. Wir navigieren mit unseren analogen Instrumenten, die - wie wir nun feststellen -  eigentlich alles anzeigen, was wir brauchen: Wind, Kurs, Speed. Außerdem schalten wir nachts den Kühlschrank aus. Tagsüber laden unsere Solarpanels die Batterien fast wieder komplett auf. Was noch fehlt, speisen wir über die Lichtmaschine ein, wenn der Motor ab und zu mal läuft. So fahren wir fast ständig mit mehr oder weniger vollen Batterien. Klasse! Wassermacher lassen wir während der Überfahrt gar nicht laufen. Wir haben 1200 Liter Wasser getankt, das reicht dicke für uns Zwei.

Was man unbedingt auf eine Atlantiküberquerung mitnehmen muss: Jede Menge Socken, Küchenhandtücher, Antirutsch-Sets und eine große Portion Galgenhumor. Wozu?

Also man glaubt nicht, was auf so einem Schiff in dem mehr oder weniger gleichmäßigem Geschaukel der Wellen alles klappern kann: ein einzelnes Glas im Schrank, die Messer in der Schublade, die Deckel der Töpfe, die Schlüssel am Schlüsselbrett (ist übrigens vollkommen doof, auf einem Boot Schlüssel an Haken zu hängen - scheppert pausenlos, kaum hörbar, aber total nervend!!), die Putzmittel neben der Toilette im Bad, der Reisverschluss der Jacke am Haken, die Weinfalschen in der Bilge etc.. Das alles zerrt an den Nerven wie ein ständig tropfender Wasserhahn. Wie gut, wenn man ausreichend Socken hat. Mit denen kann man fast alles abpuffern, fixieren und dämmen. Genial. Küchenhandtücher funktionieren auch, aber Socken sind unschlagbar! Und essen oder essen zubereiten ist ohne Antirutsch-Sets definitiv nicht möglich.

Ja und das mit dem Galgenhumor? Schon klar, oder? Sonst lest bitte den Text noch einmal...

Unser Fazit: Wir haben es genossen. Für uns Normalos war diese Strecke aber definitiv ein Abenteuer, eine Herausforderung für Körper und Seele!  Alle bisherigen Orte hatten wir vor dem Hintergrund dieses einen großen Ziels angesteuert. Und viele der bisherigen Besuchsorte sind dadurch viel zu kurz gekommen. In diesem Sinne sind wir wirklich froh, diese Passage unserer Reise nun absolviert zu haben. Wir sind schon ein bisschen stolz, dass alles auch wirklich durchgezogen zu haben. Wir sind glücklich, dass alles gut gegangen ist. Wir sind froh, dass diese vielen Seemeilen nun endlich hinter uns liegen. Und werden jetzt unser eigentliches Vorhaben realisieren: Nämlich segeln, um zu reisen (und nicht reisen, um zu segeln). Vor uns liegen relativ kurze Etappen durch die karibische Inselwelt mit maximal ein bis zwei Tagen Dauer. Dann gilt es neue Inseln zu erkunden,  andere Menschen kennenzulernen, fremde Strände  zu besuchen! Wir freuen uns darauf....