Auf geht's nach Teneriffa

Der Wind hatte leider noch nicht ausreichend auf Nordnordwest gedreht, wie eigentlich angekündigt. So kämpfen wir zwischen Lanzarote und Gran Canaria gegen Wind und Welle an. Nur spärlich gewinnen wir Höhe. Letztlich werden aus dem geplanten 130 sm-Törn ganze 180 sm. Aber wir kommen an!! Unterwegs ereilen uns auf Höhe von Gran Canaria die besorgten Anfragen von Familie und Freunden wegen der in den Nachrichten gemeldeten Riesenwellen auf Teneriffa. Da wir nach dem "Wetter" gestartet sind, haben wir davon nichts bemerkt. Trotzdem war die Welle ätzend hoch und vor allem für Atlantik zum Teil relativ kurz. Meine Seekrankheit hatte Stadium 2 erreicht (Stadium 1: Du hast Angst zu sterben! Stadium 2: Dir ist egal, ob Du stirbst!  Stadium 3: Du willst nur noch sterben!) und dauerte ca. 32 Stunden. Die letzten 10 Stunden 3-Tage-Törns waren also purer Genuss!!!

Tatsächlich haben wir - abgesehen von meiner Fürsorge für die hungrigen Fische - über den größtenteils der Reise schönstes Segeln mit tollem Wind, vor allem, als er dann noch aus der richtigen Richtung kommt. Mit Halb-Wind-Kurs geht's flott voran und wir sind ganz entspannt, bis....

Zum zweiten Mal reißt das Genuaschotauge: ein Donnerschlag und die riesige Genua flattert unkontrolliert am Stag. Das hatten wir schon vor Portland Harbour, UK. Wieder behelfen wir uns mit dem Spifall, mit dem wir notdürftig die Genua fixieren. Unsere Versuche per Hand das schlagende Segel einzufangen, scheiterten kläglich, die Kräfte sind zu gewaltig. Aber mit Spifall klappt es und wir ziehen nun statt Genua eben die Fock auf. Bei dem Wind kommen wir gut voran. Als wir an Gran Canaria vorbeisegeln schon mit Blick auf den Tejde schläft der Wind kurzfristig ein und wir schmeißen für einige Meilen den Motor an, um nicht von den riesigen Wellen auf die Leeküste gedrückt zu werden.

Gegen 18.00 Uhr am Montag-Abend haben wir Gran Canaria passiert, dann frischt der Wind gut auf und bläst uns nach San Miguel, Teneriffa. Der Blick auf den Tejde in der untergehenden Sonne ist tiefbeeindruckend und berührt unser Innerstes.

Ankunft in San Miguel 05.45 am Dienstag - natürlich ist es dunkel. Der Hafen ist voll belegt und bietet nicht gerade viel Manövrierraum. Aber: Ein freundlicher Marinero ist unterwegs und winkt uns in eine freie Lücke. Die ist allerdings viel zu klein, was dem Marinero ein fassungsloses "Big ship" entlockt. Aber egal , ohne Schaden zu verursachen schieben wir uns wie ein Torpedo zwischen zwei Boote, so eng, dass Leinen fast unnötig sind. Natürlich machen wir aber alles fest, was geht. Allerdings ist eine Mooring gebrochen. Aber wir sind so müde, dass wir uns für diesmal mit einer Mooring als Sicherung zufrieden geben.

 

 

 

Vorbei an Gran Canaria