Biskaya-Überquerung: von Falmouth nach A Coruna

Warten auf das Tief!

Natürlich haben wir uns sorgfältig auf unsere Biskaya-Überquerung vorbereitet und wissen, dass man erst das Tief nach Nordosten passieren lassen muss, um dann ein sicheres Zeitfenster von ca. vier Tagen für die Überfahrt zu haben. Aber wir haben einen Jahrhundertsommer, auch in England. Und während unserer gesamten England-Aufenthalts gibt es von einem Tief keine Spur. Soweit also die Theorie. Was sollen wir tun, wann sollen wir losfahren?

Während wir in Falmouth liegen und noch rätseln, ob man auch ohne Tief los kann, erbarmt sich der Wettergott. Ein Tief zieht durch - endlich! -  und wir starten direkt dahinter am Donnerstag. Erster Wegpunkt ist Lizzard Point. Den müssen wir ohne Wind erreichen, also motoren wir bis dorthin und nehmen dann Kurs auf Cab Prior, Spanien. 

Immer wieder werden uns Delfine auf unserem Weg nach Spanien begleiten. Ihre Anwesenheit tut richtig gut. Sie tollen so munter um den Bug, begleiten uns oft lange und man hat nicht selten das Gefühl, sie würden uns zuzwinkern, wenn sie einen auf der Seite schwimmend aus ihren lieben Augen anblicken...Begleitetes Reisen!

 

 

Ganz schön viel Verkehr!

Bis zum Donnerstag-Abend frischt der Wind auf und es geht flott durch die Nacht. Ich habe ziemlich mit Seekrankheit zu kämpfen und trete meinen Dienst in stockdunkler Nacht an. Sehr unheimlich!! Mit gut 7 kn Fahrt durch dichtbefahrenes Gebiet und man sieht rein gar nichts, wenn man nach vorne guckt! Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Nur AIS und Radar geben Auskunft, was von vorne kommt, und natürlich die Positionslichter. Hat man sich damit erst einmal angefreundet, stellt sich recht schnell eine Routine ein. Die nächsten Nächte werden dann tatsächlich ein Genuss, nachdem der Mond sich wieder zeigt und das Wasser zum Glitzern bringt. 

 

Flaute auf der Biskaya!

Auch so kann sie aussehen, die viel gefürchtete Biskaya. Wir kämpfen einen Tag mit Flaute und motoren dahin. Was soll's, den Batterien tut es gut und wir können es uns gemütlich machen!

Dass wir wettertechnisch trotzdem alles richtig gemacht haben, stellen wir in A Coruna fest. Dort treffen wir an unserem ersten Abend drei Engländer, die Falmouth noch vor dem berühmten Tief verlassen hatten, also gut 24 Stunden vor uns und damit zu früh. Sie hatten eine richtig blöde Tour mit heftiger Welle, viel unstetem Wind und wenig Spaß. Von den drei Crewmitgliedern fiel eins für 48 Stunden wegen Seekrankheit komplett aus!!! Da ist uns so ein bisschen Flaute doch lieber.

 

Erster Einsatz des Genuabaums

Als der Wind in den nächsten Tagen immer weiter nach Nord dreht und wir zu weit nach Osten vom Kurs abkommen, entschließen wir uns, zum ersten Mal unseren Genuabaum zu setzen. Wir warten noch bis zum Morgengrauen und dann ist Premiere.

Klappt gut und wir können nun nur mit ausgebauter Genua auf 180°-Kurs direkt nach A Coruna fahren. Teilweise geht es so rasant dahin, dass wir reffen müssen. Eine klasse Fahrt!

 

Natürlich Nachts!

Nach gut vier Tagen können wir die Lichter von A Coruna sehen. Und wähnen uns schon fast da. Dennoch dauert es noch einmal gut vier Stunden, bis wir die Marina erreichen. Es ist mittlerweile drei Uhr früh und es kommen uns ganze Geschwader von Fischerbooten (ohne AIS) entgegen. Wir holen frühzeitig die Segel runter und versuchen mit den Positionslichtern der verschiedenen Hafeneinfahrten klar zukommen. Zusammen mit den Ampeln des Straßenverkehrs, Kneipenbeleuchtungen und Straßenlaternen ist das ein nicht so ganz einfaches Unterfangen. Aber: Um 4 Uhr früh liegen wir sicher in der Marina A Coruna. Daraus stoßen wir erst einmal an!