Entlang der englischen Küste

Kein englisches Wetter und kein englisches Essen!!

Wir genießen England von Anfang an. Finden wir hier im Juni 2018 so ganz untypisches Wetter - super Sommerwetter - vor und essen und trinken uns aufs angenehmste überrascht durch die englischen Pubs. Es lebe das Vorurteil. Egal, unseren ersten richtigen Pub-Abend entlang der englischen Küste werden wir sicher nicht vergessen. Und es sollten noch zahlreiche weitere folgen.

In Dover bleiben wir zwei Tage. Der Hafen befindet sich gerade im Umbau und ist eine einzige Baustelle. Aufgrund der englischen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft finden wir uns aber gut zurecht und können alles erledigen, was so ansteht. Dann geht es weiter nach Eastbourne, wo wir uns mit Katja und Jörg treffen wollen.  

 

Hoher Besuch in Eastbourne!

Wir freuen uns riesig: Katja und Jörg kommen mit Dalmatiner Henry von London zu uns nach Eastbourne. Wir verbringen einen wunderschönen Nachmittag und Abend mit ihnen, gehen ausgiebig am Beach Head spazieren - das waren wir Henry schuldig, der so artig am Steg gewartet hat - und können endlich mal in Ruhe quatschen.

Alte Ickinger Heimat rückt für ein paar Stunden wieder ganz in die Nähe!

Und Rettung bringen die Beiden auch mit: Da uns gleich auf den ersten Meilen unserer großen Reise sowohl die eingebaute Fäkalienpumpe als auch zeitgleich die Ersatzpumpe im Stich gelassen haben, sitzen wir im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön in der Sch...

Wir finden in Eastbourne einen Händler, die passende Pumpe liegt aber in Brighton. Obwohl nicht wirklich auf ihrem Weg nehmen Katja und Jörg den Umweg in Kauf, quälen sich durch den sonntäglichen Stau und bringen uns das gute Stück mit. Wie heißt es so schön: "Freunde können nicht immer verhindern, dass Du in die Sch... gerätst, aber sie helfen Dir wieder raus!" Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle nochmal dafür!!!!

 

Segeln im Solent

Über Brighton fahren wir nach Portsmouth. Dort treffen wir in der Hazlar-Marina auf einen Harbour-Master, der uns ständig an Mr. Bean denken lässt: Immer wieder Verbeugungen andeutend sagt er selbst zur Visa-Card-Maschine "Thank you". Fast ein bisschen zuviel der Freundlichkeit. Wir müssen uns ein Lachen verkneifen...

Einen Nachmittag verbringen wir auf dem Museumsschiff HMS Victory. Ein eindrückliches Erlebnis!!

Dann segeln wir nach Yarmouth, Isle of Wight: Segeln im Solent bei 7 Bft und praktisch ohne Welle - perfekt. Wir pressen das Letzte aus Umiak raus, preschen mit Vollzeug hoch am Wind dahin - es macht so richtig Spaß.

Über Nacht machen wir an einer der Mooringbojen vor Yarmouth fest. Die Strömung ist hier so stark, dass das Schiff mit dem Heck im Wind liegt: phänomenal. Aber wir haben Glück und fangen gleich beim ersten Anlauf die Boje. Etliche nach uns kommende Yachten haben es da schwieriger.

Ab nach Portland

Vorbei an den berühmten Needles (siehe nebenstehendes Foto) geht es weiter Richtung Portland. Bei 5 bis 6 Bft. und fast halbem Wind geht es zunächst flott dahin und wir frohlocken schon, unser Ziel doch wohl früher als geplant erreicht zu können. Bis es einen lauten Schlag gibt...

Zunächst wissen wir gar nicht, wo wir zu erst hinschauen sollen. Die flatternde Genua macht aber sehr schnell laut und deutlich auf sich aufmerksam: Das Schotauge ist gerissen. Puh. Wir haben am Vortag das Material wohl doch etwas zu stark gequält. Hilft nichts. Wir müssen unter Motor nach Portland - Umkehren ist aufgrund der Strömung gar nicht mehr möglich.

Jetzt beginnt aber erst einmal der Kampf mit der Genua: 60 qm flatterndes Tuch bei Wind und Welle. Ohne Genuaschot! Unsere ersten Versuche per Hand das Segel zusammenzuraffen, scheitern natürlich kläglich. Die Genua abzuschlagen ist auch keine Option. Mit der Menge an Tuch wollen wir nicht auf dem Vordeck rumhopsen. Den Kräften, die hier am Werk sind, sind wir nicht gewachsen. Nach längerem Tüfteln auf schwankendem Boot gelingt es uns, die aufgerollte Genua mit Hilfe des Spi-Falls einigermaßen zu sichern. So kommen wir immerhin bis vor die Hafeneinfahrt von Portland. Hier kriegen wir dann 8 Bft. auf die Nase. Danke auch schön.

Aber die Genua hält und wir finden in diesem riesigen Hafenbecken - die olympischen Wettbewerbe fanden hier drin statt - bei einem Segelclub eine Mooringboje, an der wir erst mal verschnaufen können. Hier kriegen wir auch mal so richtig mit, was englischen Nebel ausmacht und tapern am nächsten Tag auf Einladung an Land, um im Segelclub Hallo zu sagen und  mit einem Bierchen anzustoßen. Wir fühlen uns sehr willkommen!

Am Montag verlegen wir uns in die Portland-Marina am anderen Ende des Hafenbeckens. Dorthin benötigen wir gut 15 Minuten Fahrzeit: Portland Harbour ist wirklich riesig. Kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges hatte die Royal Navy hier fast 400 Schiffe versammelt!! Jetzt sind hier die Sportstätten der segelverrückten Engländer. Toll!

Wir können hier unser Segel reparieren lassen, bevor wir weiterziehen nach Brixham, Dartmouth und Plymouth.

 

 

Im Rosamunde-Pilcher-Land

Es schaut hier wirklich so aus! Wie im Film!! Schon Brixham - hier kaufen wir unser Dingi -gefällt uns außerordentlich gut. Dartmouth ist dann unschlagbar. Wir müssen ein Stückchen den Dart-River rauffahren und an den Mid-Stream-Bojes festmachen, weil wir für die noch freien Plätze am Steg zu schwer sind :( . Wir liegen mitten im Fluss, mit phantastischem Rundum-Blick in die wunderschöne Landschaft und die grandiosen Anwesen am Wasser. Unsere Ausflüge mit neuem Dingi den Fluss entlang geben uns ein ganz neues Freiheitsgefühl. Wir genießen die Zeit hier sehr. Und wir wollen irgendwann sicher einmal wieder kommen! Weil es so schön ist und weil wir die Menschen hier so sehr mögen!

Langsam wird es ernst

Wir wollen noch Anfang Juli über die Biskaya. Daher verbringen wir nicht mehr soviel Zeit an der englischen Küste. Nächster Stopp ist Plymouth. Im Plymouth-Sound muss ich Drakes-Island fotografieren. Hier habe ich mit meiner Freundin Nelia Urlaub gemacht und Segeln gelernt. Damals war ich 16, Charles und Diana hatten gerade geheiratet und alles, aber auch wirklich alles in England war mit den Fotos der Beiden bestückt.

Wir umrunden Drakes Island und ankern dann im Eingang der Bucht, gut bewacht von einer englischen und einer deutschen Fregatte. Dreimal schmeißen wir den Anker, der nicht wirklich halten will. Hier geben wir noch dem Ankergrund die Schuld und unserer Unerfahrenheit damit. Ein ungutes Gefühl bleibt und das ist auch das einzige was in Sachen Anker hält.... bis wir dem Teil in Lagos endgültig die Scheidung einreichen werden!

Letzter Stopp: Falmouth

Nach einem herrlichen Segeltag mit durchschnittlicher Fahrtgeschwindigkeit von 6 bis 7 kn, aber ziemlicher Welle, kommen wir in Falmouth an. Wir müssen an einer Moorig festmachen, da der Hafen übervoll ist. Der Marinero begrüßt uns dort typisch englisch mit den Worten: "It was a little bit bumpy, wasn´t it"! Was soviel heißt wie: Heute haben aber mal wieder alle gekotzt.

Wir verbringen hier eine gemütliche Woche mit letzen Vorbereitungen, Museumsbesuchen, Stadterkundungen und Wanderungen sowie einigen Reparaturen. So brauchen wir für unser Bugstrahlruder einen neuen Schalter. Das Teilchen kostet nur einen Euro, die Frage aber ist: Kommt es auch an? Wir bestellen gleich bei zwei verschiedenen Lieferanten jeweils vier Stück (weniger wird nicht verschickt), um sicherzugehen, dass zumindest eine Lieferung rechtzeitig ankommt. Und? Na klar, es kommen natürlich beide Paketen an. Jetzt haben wir bis an unser Lebensende ausreichend Schalter fürs Bugstrahlruder...

Abfahrt von Falmouth planen wir nun für den 5. Juli....